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Warum Sie Ihre Kontaktlinsenwerte nicht für die Brillenanfertigung übernehmen sollten. (Ausgabe 15)

Guten Tag,

Wieso eigentlich nicht? Nach gesundem Menschenverstand sollte es doch mit den Werten von den Kontaktlinsen auch bei der Brille klappen, oder? Scheint logisch, doch es ist eben viel komplexer. Ich versuche mal anschaulich zu erklären, wie Dinge der Mathematik und Physik dabei zu beachten sind.

  1. Die Kontaktlinse „sitzt“ direkt auf dem Auge und wirkt somit als optische Einheit mit dem Auge. Die Brille hat Abstand vom Auge. Das System Brille-Abstand-Auge hat eine andere optische Wirkung. Das ist besonders bei über Dioptrien +/- 4,00 entscheidend.
  2. Bei formstabilen Kontaktlinsen bildet sich zwischen Kontaktlinse und Auge eine Linse aus Tränenflüssigkeit. Diese hat eine entscheidende optische Wirkung. Gutes Sehen ergibt sich aus der Stärke der Kontaktlinse und der Tränenlinse. Übernimmt man nur die Kontaktlinsenwerte für die Brille, ist das Sehen damit nicht richtig gut.
  3. Brillengläser befinden sich in der Fassung in stabiler Position vor den Augen, sie verdrehen sich nicht. Eine gut passende Kontaktlinse sitzt immer beweglich auf dem Auge. Dreht sie sich dabei, wird diese Verdrehung mit in die Kontaktlinse eingerechnet. Der selbe Wert bei der Brille ist falsch, Sie sehen schlechter.
  4. Der Blick durch Minus-Brillengläser lässt die Umwelt verkleinert erscheinen. Plus-Brillengläser vergrößern scheinbar alles. Das kommt durch den Abstand der Brille vor den Augen. Bei Kontaktlinsen fällt dieser Effekt weg. Beim Umstieg von Brille auf Minus-Linsen erscheint erstmal alles größer, beim Umstieg von Brille auf Plus-Linsen erscheint alles verkleinert, dadurch evt. schwerer lesbar. Der Effekt ist umso mehr wahrzunehmen, je höher die Dioptrien sind.
  5. Große Differenzen der Stärke zwischen rechtem und linkem Auge kann man mit Kontaktlinsen problemlos korrigieren. Bei Brillengläsern sind Differenzen über zwei Dioptrien unverträglich. Das Gehirn kann die verschiedenen Größen der wahrgenommenen Umgebung rechts/links nicht „vereinen“ und es kommt zu Sehbeschwerden. Deshalb muss ein sorgfältiger Angleich der beiden Brillengläser vorgenommen werden.
  6. Das Zusammenspiel beider Augen ist mit Brille und Kontaktlinsen oft verschieden und muss für jede Art der Korrektion separat abgestimmt werden.

Bei Abweichungen kann es dazu kommen, dass Sie zwar scharf sehen, aber ein ungutes Gefühl bis hin zu heftigen Missempfindungen haben. Wenn die Brillenwerte nicht exakt bestimmt werden kann es sein, dass Sie trotzdem erstmal deutlich sehen. Empfindungen wie „zu anstrengend“ oder „überscharf“ bei Minusbrillen, oder „anstrengend beim Zeitung lesen“ bei Plusbrillen sind typisch. Bestehen Sie vor der Brillenanfertigung auf eine gründliche Augenprüfung vom ausgebildeten Augenoptikermeister. Der kann nicht nur „einfache Fälle“ messen, sondern Abweichungen vom normalen Sehen bemerken und aufgrund seines umfassenden Wissens die richtigen Erkenntnisse ziehen und Entscheidungen treffen.

Wir machen als Grundlage jeder Kontaktlinsen- oder Brillenanpassung eine genaue Augenprüfung. Diese ist nicht kostenlos, sondern bei der ersten Anpassung im Anpasspreis, bei Folgeanpassung im Kontaktlinsen- bzw. Brillenpreis enthalten.

Sylvia Hergert

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